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So entstehen Microsoft use

www.inside-it.ch |  By Christoph Hugenschmidt | April, 16 2010 |  Share  | Source Article

'Wir sind wie Gefangene… Wir haben kein Leben. nur Arbeit.' Dieses Zitat einer anonymen, minderjährigen chinesischen Arbeiterin, die für den Microsoft-Unterlieferanten Kye arbeitet, dient als Einleitung zur Zusammenfassung eines ausführlichen Berichts des Pittsburgher 'National Labor Committee". Der Bericht "China's Youth Meet Microsoft" wurde diese Woche veröffentlicht und erregte in den USA einige Aufmerksamkeit. Gemäss der Nichtregierungsorganisation fusst er auf dreijährigen Untersuchungen in der Mäuse-Fabrik Kye in Dongguan, in der PC-Peripherie für Microsoft und andere Firmen hergestellt werden. Die NGO hat parallel zum Bericht eine Reihe von aus der Fabrik herausgeschmuggelten, eindrücklichen Fotos auf Flickr veröffentlicht.

Das National Labor Committee stellt eine ganze Reihe von äusserst gravierenden Missständen beim chinesischen

Microsoft-Lieferanten fest. So stelle Kye hunderte von 16- bis 17-jährigen Jugendlichen (auf den Fotos sind ausschiesslich junge Frauen sichtbar) als Werkstudenten an. Diese arbeiten in 15-Stunden-Schichten an sechs oder sieben Tagen pro Woche. Die meisten der jungen Frauen sind für drei Monate angestellt.

Neben den SchülerInnen stellt Kye gemäss dem Bericht ausschliesslich Frauen zwischen 18 und 25 Jahren an, da man sie einfacher kontrollieren und disziplinieren könne.

 

65 Cents Stundenlohn
Glaubt man dem Bericht, so wird auch rasch klar, warum PC-Peripherie in den letzten Jahren immer noch besser und noch billiger geworden ist und die Hersteller-Konzerne trotzdem noch daran verdienen. So bezahlt Kye gerade mal 65 US-Cents Stundenlohn und zieht erst noch 13 US-Cents für Kantinenessen ab. Die Arbeitszeiten betrugen - immer gemäss dem Bericht - vor der Krise bis zu 97 Stunden pro Woche.

Ausbeutung und sexuelle Belästigung
Die Arbeiterinnen litten unter extrem hohen Vorgaben und schlechten Produktionsbedigungen. So sollen pro Schicht 2000 Mäuse fertiggestellt werden und die jungen Frauen litten im Sommer unter grösster Hitze.

Noch schockierender: Sicherheitsleute der Fabrik belästigen die Arbeiterinnen sexuell und verbieten ihnen, während der Arbeit miteinander zu sprechen oder Toiletten aufzusuchen.

Während das Fabrikmanagement die Arbeitsbedingungen als "exzellent" bezeichnet, beschreiben die Arbeiterinnen gemäss der NGO die Fabrik als "Gefängnis."

Microsoft schickt Untersuchungsteam
Brian Tobey, bei Microsoft für die Produktion von PC-Peripherie im Range eines 'Vice Presidents' zuständig, gibt sich in einem Blogeintrag "very concerned". Microsoft habe ein Team von unabhängigen Prüfern auf den Weg geschickt. Es soll die Vorwürfe "gründlich und vollständig" untersuchen.

Tobey hält fest, dass die betreffende Fabrik jährlich von einem unabhängigen Auditor inspiziert werde und zudem von Microsoft selbst vierteljährlich vor Ort überprüft werde. Microsoft habe in den letzten zwei Jahren verlangt, dass das Alter der Arbeiterinnen verifiziert werde und keine Hinweise auf Kinderarbeit gefunden. Zudem seien die Überstunden "signifikant reduziert" worden und die Löhne in Einklang mit den Standards der "Electronic Industry Citizenship Coalition".

Man nehme die Vorwürfe aber trotzdem "quite seriously," schreibt Tobey. (Christoph Hugenschmidt)

(Fotos: mit freundlicher Genehmigung des National Labor Committee, Pittsburgh. Die Fotos wurden gemäss der NGO aus China herausgeschmuggelt und zeigen jugendliche Arbeiterinnen der Fabrik, in der unter anderem auch Mäuse und Webcams für Microsoft hergestellt werden.)